Die Reinberger Linde
- Katrin Streeck

- 17. Jan.
- 2 Min. Lesezeit






Auf dem Kirchhof in Reinberg steht eine Winterlinde. Sie ist 1000 Jahre alt, vielleicht kommen inzwischen einige hundert Jahre obendrauf.
Die Backsteinkirche, neben der sie steht, wurde Mitte des 13. Jahrhunderts gebaut.
Die Linde ist folglich um einiges älter, und man fragt sich, warum die Kirche ausgerechnet hier erbaut wurde.
War der Platz um die Linde vielleicht ein heiliger Ort der Slawen, ein Kultplatz?
Das Einflussgebiet der Ranen von der Insel Rügen könnte bis in das Gebiet der heutigen Gemeinde Sundhagen gereicht haben.
Unter so einer Linde wurde Gericht gehalten oder ein Orakel gedeutet.
Die herzförmigen Blätter deuten darauf hin, dass die Linde in Liebesangelegenheiten befragt wurde.
Die Linde, slawisch Lipa oder Liba genannt, hatte eine eigene Göttin, die Libussa.
Die Reinberger Linde kann durchaus ein heiliger Baum der Slawen gewesen sein, der nach der Christianisierung bewusst von der neuen Religion vereinnahmt wurde.
Die Zeit hat Spuren an der Linde hinterlassen. Ihr Stamm ist gespalten, immer wieder nach Verletzungen geheilt, trägt Narben und Auswüchse. Ihre Äste ragen hoch hinauf, weit über das Kirchenschiff. Ein neuer Stamm hat sich an einer Seite des alten herausgebildet. Ein Zeichen der ständigen Erneuerung und des Überlebenswillens.
Die Reinberger Linde wirkt, als würde sie noch so manchen Winter überstehen. Sie symbolisiert das Weitermachen trotz Schwierigkeiten, Geduld und Ausdauer.
So uralte Bäume fordern uns Respekt ab.
Tilia cordata Mill (lat.): Winterlinde
cordata: herzförmig
Lipa, Liba (slaw.): Linde
tilos (griech): Faser
12.12.2023
© Katrin Streeck




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