• Katrin Streeck

Herzhäuschen

Aktualisiert: 2. Juni 2021


Foto: rnoid auf Pixabay



Herzhäuschen

Es stand immer noch im Garten.

Eine Erinnerung an Zeiten ohne Wasser aus der Wand. Als Vater auf dem Fahrrad-Gepäckträger einen Wasserkanister von zu Hause mitschleppte und Mutter eine Thermoskanne mit Kaffee.

Auf dem Häuschen mit dem fein herausgeschnittenen Herz lag kein Toilettenpapier, dafür gab es Streifen aus der Tageszeitung. Die hatten die Kinder zu Hause ausgeschnitten. Man konnte leider nichts mehr lesen, wenn die Sitzung länger dauerte. Es war zu dunkel im Häuschen. Nur ein herzförmiger Lichtstrahl fiel hinein.

Licht gab es nicht, weil niemand nachts im Garten blieb.

Wer auf dem Häuschen saß, konnte durch das Herz schauen, was sich im Garten tat. Hatte man keine Lust auf Unkraut jäten und sah Muttern noch im Radieschenbeet hocken, blieb man besser drin. Bis der kleine Bruder dringend mal musste, weil er unreifes Obst genascht hatte. Zum Glück war die Luft draußen frisch. Es sei denn, Vater hatte gerade gedüngt, mit dem selbst erzeugten Naturdünger.

2020

© Katrin Streeck

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