• Katrin Streeck

Der Schneck

Aktualisiert: 2. Juni 2021


Foto: Mabel Amber auf Pixabay

Der Schneck

Es kroch ein Schneck gemütlich heim,

zu einem Kohlfeld

auf seinem Schleim.

Doch wer versperrt ihm da die Sicht

und schreit ganz laut:

„Du böser Wicht!“

Steht da ein Käfer und brüllt rum,

lässt ihn nicht durch.

Dem Schneck wird das zu dumm.

„He, Mistkäfer, was soll denn das?“

Der Schneck ist sehr empört.

“Lass mich vorbei, das ist kein Spaß!“

Der Käfer ruft: „Nein, halte ein!“

und bläht die Flügel auf.

„Du darfst nicht auf dem Wege sein!

Man sieht doch gleich, wie krank du bist!

Der Pillendreher muss herbei,

dass er dir Fieber misst!


Du kriechst, schleimst rum

und steckst uns alle an.

Ins Bett musst du, sei doch nicht dumm!“

Der Schneck muss lachen:

„Nicht ins Bett, ins Beet muss ich!

Was sind das hier für Sachen!

Ich bin nicht krank,

bin kerngesund,

und rutsche nur den Weg entlang.

Denkst du, ich krieche auf dem Bauch,

zerreiß' mir noch

den Magenschlauch?

Nein, ohne meinen Schneckenschleim

kriech' ich hier

keinen Meter heim.

Nun lass mich mal schön weiter geh'n,

du ahnungsloser Kerl,

ich muss nun wirklich drauf besteh'n.“

Der Käfer ruft jetzt: „Polizei!“

Es kommen flugs in Uniform

grüne Fliegen ihrer zwei.

„Der Schneck hält sich nicht an die Regel!“

Der Käfer petzt.

„Hustet und schleimt so wie ein Flegel!“

Die Fliegen surren laut und böse,

es nervt den Schneck

nun das Getöse.

Sie rufen nach der Feuerwehr.

Es kommen

die Feuerwanzen her.

Die woll'n dem Schneck das Leben retten,

umkreisen ihn

und bilden Rettungsketten.

Der Schneck zieht seine Fühler ein

und kriecht jetzt

ins Gehäuse rein.

Er hört es noch von ferne surren,

den Mistkäfer

noch lange murren.

Der Schneck im Hause nimmt es heiter.

Sind alle weg,

dann kriecht er weiter.

28.03.2020

© Katrin Streeck


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