• Katrin Streeck

Der Hahnenfuß

Aktualisiert: 4. Juni 2021


Foto: Hahnenfuß. Pezibaer auf Pixabay


Der Hahnenfuß

Auf der Wiese Überfluss

steht ein kleiner Hahnenfuß.

Streckt sich nach der Sonne hin.

„Seht, wie sonnig-gelb ich bin.

Darum nennt man mich Ranunkel.

Bin ein goldener Karfunkel!"


„Ach, du Giftzwerg, gib nur Ruh'!“

Der Ehrenpreis wendet sich ihm zu.

„Du tust Mensch und Tier nicht gut.

Vor dir ist jeder auf der Hut!

Wozu bist du auf dieser Welt?

Wer hat dich hierher bestellt?“

Der Hahnenfuß ist ganz bedrückt.

War doch so von sich entzückt.

Doch glücklich fällt es ihm dann ein:

„Muss mein Sinn nur Nutzen sein?

Kann ich nicht einfach nur leben,

ohne Höheres anzustreben?"

Da springt der Rotklee für ihn ein.

„Sei du nur froh, dich frisst kein Schwein,

kein Reh, nicht Kuh und Ziege,

aber mich, wenn ich am Boden liege,

weil die Sense mich erwischt,

lande auf dem Futtertisch.

Du dagegen musst nur funkeln.

Gerne tauscht ich mit Ranunkeln!“

Der Hahnenfuß fasst wieder Mut.

Es geht ihm wieder richtig gut.

„Jeder erfüllt hier seinen Zweck!

Ich wachse hier und geh nie weg.

Du, Ehrenpreis, du wirst geerntet,

geschnitten, getrocknet und verwertet.

Man brüht dich, hackt dich, macht dich klein.

Soll das der Sinn des Lebens sein?

Da bleibe ich hier leuchtend schön.

Für alle herrlich anzuseh'n.

03.06.2021

© Katrin Streeck

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