• Katrin Streeck

Der Hühnergott


Hühnergott. Foto: Roselie auf Pixabay

Der Hühnergott

In einer großen Hühnerschar

entstand ein Streit,

warum, das war nicht klar.

Vermutlich ging's um Regenwürmer

jedes Huhn wollte mehr,

als was der Schnabel konnt' erhaschen.

Der Hahn, der sich im Sand grad' sonnte,

überlegte, was er machen konnte,

um seine Hennen zu beruhigen.

Da fiel ihm ein Gedanke ein:

Man müsste eine Religion erschaffen,

und ich wäre das Oberhaupt.

So könnte ich das Hühnervolk versöhnen,

sie täten es mit Liebe löhnen.

Er sah sich um und pickte rum,

ob er den passenden Gott fände

und wie er pickte so am Ende,

da fand er einen Stein mit Loch

und sprach bei sich:

Oh sieh, ach schau, also doch,

das wäre mal ein feiner Gott.

So spähte er durch dieses Loch,

die Hennen kamen gleich herbei

und fragten: Hahn,

was tust du da?

Er sprach: Ach, Hennen,

seht ihr es nicht?

Es ist der Hühnergott,

der zu mir spricht.

Was sagt er dir,

wollten sie wissen.

Er sagt, nichts sollt ihr

mehr vermissen.

Folgt immer eurem lieben Hahn,

der wird euch Käfer,

Maden, Würmer zeigen

und niemals sollt ihr Hunger leiden.

Das gelobten sie zugleich

und schworen diesem Bund die Treue,

auf dass es niemals sie gereue,

einem Stein mit Loch

zutiefst zu trauen.

Man hat schon anderen Betrug gesehen,

wenn man nur glaubt,

wird alles so geschehen.

09.04.2022

© Katrin Streeck


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